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Radio Eins über Sweet Silence

Zurück zu den Wurzeln bedeutet für Barbara Morgenstern zurück zum Pop. Genau da ist die 41jährige auf ihrem aktuellen Album wieder gelandet. Zuckersüße Elektro-Melodien, die vom Berliner Produzenten T.Raumschiere zum Glück auch etwas „verschmutzt“ wurden.

Westzeit über Sweet Silence

Die Momente, die kurz vor dem Tod an einem vorbeiziehen, die kurzen Momente der Ruhe – darum geht es in dem Song „Sweet Silence“, den Barbara Morgenstern auch als Titel für ihre aktuelle CD gewählt hat. Sie hat sich nicht verirrt im fernsehtauglichen Pseudopop, sondern ganz bewusst dafür entschieden, sich mit ihrer Musik in der Clubszene wohlzufühlen. Wenn das Publikum denn da mitmacht...

"Obwohl, so richtig „technoid in Richtung Wolfgang Voigt oder Villalobos gehe ich nicht. Ich mag die Tracks zwar, bin aber keine ausgiebige Clubgängerin mehr.“

Die Gefahr, dass das Album ignoriert werden könnte, ist weit und breit nicht zu befürchten.

„'Sweet Silence' hat neben dem Flashback-Gefühl im Angesicht des eigenen Todes auch noch etwas Bittersüßes. Ich würde nicht sagen, daß es bis jetzt mein unemotionalstes Album ist. Aber es ist das mit der wenigsten Schwermut. Ich hatte Lust auf unbeschwerte Sachen und wollte einfach nur loszulegen,“ sagt Barbara Morgenstern. Wo man vielleicht Romantik vermuten könnte, legt Barbara Morgenstern ihren Fokus auf eine auch live funktionierende Club-Kompatibilität. Romantisch sind eher die anderen Alben, hier hieß die Devise: etwas weniger vertrackt als die Vorgänger, minimierter vom Sound her, etwas klarer. Dass der Sound etwas kühl wirkt, liegt vielleicht daran, daß der Sound rein digital entstanden ist und es keine analogen Zutaten gibt.

„Das hat sich aus dem Arbeitsprozess so ergeben, weil alles andere für mich nicht diesen Reiz besaß.“

Niemand hat Erfahrung darin, wie Flashback-Augenblicke vor dem Tod sein könnten, wie sie sich anfühlen. Barbara Morgenstern erklärt dann genau, was sie mit diesen Momentaufnahmen meint.

„Im Titelsong geht es mir darum, was zieht am Ende des Tages, was zieht in diesem Moment an einem vorüber. Im Moment der totalen Stille, welche Elemente bleiben über, die einem wirklich etwas Wert sind. Das sind für mich Momente der Ruhe, und das möchte ich vermitteln.“

Da kehrt dann doch eine Variante der Romantik zurück, wenn sie von einem „tief empfundenen Glück in einem ruhigen Moment“ spricht. Die Initialzündung, sich mit elektronischer Musik zu beschäftigen, bestand für Barbara Morgenstern in dem Wunsch, einen eigenen Sound zu gestalten, „weil der Computer die Möglichkeiten bietet, für mich alleine, bietet, die eine normale Band einfach nicht erfüllen kann.“ Damals besaß sie einen Korg M1 und komponierte damit die ersten Stücke. Es folgten Atari und McIntosh, die benutzte Hardware zog sich durch die komplette Musik-Computerhistorie. Was lag näher, als den Begriff ´Do It Yourself´ (DIY) Mitte der neunziger Jahre als kreative Basis zu benutzen?

„'Do it yourself' ist für mich eine Freiheit, überhaupt an die Musik heranzugehen, keinen großen Katalog an Vorwissen im Rücken zu haben, sondern einfach zu machen, sehen was passiert, auch Fehler zuzulassen. Dieses Selbstverständnis ermöglich einen freien, unbelasteten Zugang.“

Trotzdem sieht sich Barbara Morgenstern nicht als ´Frickeltyp´. Sie beschäftigt sich zwar mit dem Sound, aber in Grenzen. Natürlich bastelt auch sie am Endprodukt noch herum und verändert hier die Snaredrum oder da frickelt da am Bassdrum-Sound.

Meistens ist erst die Musik fertig, dann kommen die Texte hinzu. Wie findet sie einen passenden Text?

„Ich sammle einfach Themen, die mich beschäftigen. Meistens ergibt es sich im Arbeitsprozess, im Flow, daß ich merke, welche Musik zu welchem Thema passt.“

Neben den getexteten Stücken taucht ein Titel auf, der als Instrumentalnummer auf dem Album steht: ´Hip Hop Mice´, der etwas nach elektronischer Avantgardemusik früherer Zeiten wie von Moebius-Roedelius oder Cluster klingt.

„Früher habe ich diese Bands nicht gehört, weil ich dafür einfach zu jung bin. Eingestiegen ins Musikhören bin ich erst Mitte der achtziger Jahre mit Bauhaus und New Order. Erst in letzter Zeit habe ich mir auch Cluster angehört, mit Harmonia hatte sogar der von mir geleitete Chor im Berliner 'Haus der Kulturen' einen gemeinsamen Auftritt. Ich komme jetzt eigentlich erst bei diesen Pionieren aus. Ich glaube, daß es jetzt wieder ein Revival um Gruppen wie Neu, Cluster oder Harmonia gibt.”

Um der süßen Stille am Abend eines Tages, am Ende eines Lebens – einstweilen – zu entgehen, bietet sich ein glasklarer Tanz zum Titel ´Jump Into The Life-Pool´ an. Glasklar wegen der Transparenz, und weil die Leichtigkeit der Barbara-Morgenstern-Musik eine feine Prise Entspannung bereithält.

Der Tagesspiegel über Barbara Morgenstern und das neue Album Sweet Silence 06/2012

Das süße Schweigen

Barbara Morgenstern prägt Berlins Electronic-Szene seit vielen Jahren. Auf ihrem siebten Album zeigt die 41-Jährige nun ihre lebensfrohe Seite - und singt zum ersten Mal nur Englisch.

Neues Album fertig machen, sich zurücklehnen und den Rest der Arbeit dem Plattenlabel überlassen? So war das vielleicht früher einmal. Aber jetzt ist alles anders. Barbara Morgenstern, 41, sitzt in ihrer Altbauwohnung in Berlin-Mitte, die glatten braunen Haare wie gehabt nicht ganz schulterlang und mädchenhaft, und zitiert eine Freundin: „Das Understatement der neunziger Jahre – vergiss es, das ist vorbei.“ Eine neue Platte herauszubringen, das bedeutet 2012 für sie: Gemeinsam mit dem Lebenspartner, einem Webdesigner, die Online-Promotion-Arbeit übernehmen. Kontakte spielen lassen, um Konzertauftritte an Land zu ziehen. Facebook, Youtube, Soundcloud und andere Internet-Schnittstellen bedienen.

Stücke zum freien Download anbieten. Blogs anschreiben: „Ich schreibe: Hey, jetzt habe ich diesen tollen Song gemacht. Und denke mir dabei: puh – interessiert das überhaupt jemanden? Wenn die Leute nicht von dir gehört haben, dann bist du einfach nur eine Spam-Mail mehr. Ich habe ja ein gewisses Standing. Aber wenn du neu bist – superhart“.

Neu ist Barbara Morgenstern wirklich nicht. Die in Hagen geborene Musikerin gehört seit 1994 zur Electronic-Szene Berlins, hat sich mit leisen und melancholischen Klängen, mit mehrdeutigen deutschen Texten einen Namen gemacht. Dass elektronische Musik „Made in Germany“ weltweit zum Markenzeichen geworden ist, liegt auch ein bisschen an ihr. Auf „Sweet Silence“ (Monika Records), dem neuen Album, singt Barbara Morgenstern nun erstmals komplett in Englisch. „Ich wollte etwas machen, was zugänglicher ist“, begründet sie den Schritt, „elektronische Musik und deutsche Texte, das hat sich ein bisschen überlebt.“

Die Fremdsprache geht der Musikerin ganz gut über die Lippen, ein leichter Akzent sorgt für eine charmante Note. Sie erzählt mal persönliche, mal politische Geschichten. Eingebettet sind die Texte in komplett elektronische, sehr luftige Sounds. Barbara Morgenstern spricht von ihrem bislang „ausgedünntesten Album“, die sehr hellen, manchmal fast schon glockenspielartigen Sounds umspielen die reduzierten Beats: „Poppig ist natürlich immer ein Superschwammwort, aber ich hatte vor, ein poppiges Album zu machen, ich wollte für mich selber ein Spaßalbum machen. Im Sinne von: Ich denk jetzt nicht so viel nach“.

Das Berliner Clubleben hat ihren Sound geprägt

Seit 1994 lebt Barbara Morgenstern in Berlin, ihre Musik hat mehr als nur ein bisschen was mit der Stadt zu tun. Das Clubleben hat seine Spuren in den Songs hinterlassen, genauso wie die Musiker, die sie in dieser Zeit kennengelernt hat, von Gudrun Gut über Thomas Fehlmann und Pole bis hin zu Planningtorock.

Auch der poppige Sound auf dem neuen Album ist nicht allein ihr Werk, mitverantwortlich ist Marco Haas. Der Berliner Produzent und Mitbegründer des Labels Shitkatapult, der unter seinem Pseudonym T. Raumschmiere normalerweise bratzige, knarzige Technoklänge hervorbringt, hat „Sweet Silence“ gemischt und dabei eigene Vorlieben zurückgestellt. Die Stimme Morgensterns hat er ohne große Effekte aufgenommen, die Melodien kommen spielerisch daher, die Beats mal gerade, mal ein bisschen verstolpert, aber selbst dann machen sie keinen übermäßig verkopften, zu komplexen Eindruck.

Marco Haas hat sich also auf die Singer-Songwriterin Barbara Morgenstern eingelassen, ihre Persönlichkeit in Sound übersetzt: Wahrscheinlich kann sie auch anders, aber sie ist, wenn man sich mit ihr unterhält, sehr quirlig und wach und locker. Diese unbeschwerte, lebensfrohe Seite spiegelt „Sweet Silence“ wider. Und das ist vielleicht das eigentlich Überraschende an Barbara Morgenstern im Jahr 2012. Dass ihren Songs komplett das Dunkle fehlt, das einen großen Teil ihrer früheren Lieder ausmachte.

Dabei gibt es eigentlich genug Gründe, sich ein wenig Sorgen zu machen und düster in die Zukunft zu schauen: Von ihren sechs Alben verkaufte Barbara Morgenstern jeweils nur ein paar tausend. Aber das brachte immer noch so viel ein, dass sie sich an das nächste machen konnte. Bei „Sweet Silence“ war es schon schwieriger: „Ich habe mich gefragt: Wovon lebe ich in der Zeit? Wie bezahlt man die Promo?“ Live-Auftritte sind auch nicht einfacher geworden. Der Markt ist überflutet, das bekommt auch Barbara Morgenstern zu spüren.

Und dann ist da ja auch noch das Internet, das alle Spielregeln geändert hat: „Es ist gerade eine komische Übergangszeit. Es ist schwieriger geworden. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass gerade viele neue Sachen entstehen, wo es bei vielen Leuten auch so knallt und abgeht.“ Und so schwankt die Musikerin zwischen „Geil, es fängt was Neues an!“ und „Es geht alles den Bach runter!“

Aber gäbe es denn überhaupt eine Alternative zum Musikmachen für sie, deren ganzes Leben um die Musik kreist? Barbara Morgenstern fing als Kind mit dem Klavierspielen an, kam dann über den Jazzunterricht zum Komponieren. Sie könnte sich vorstellen, Kurzfilme zu drehen, ihren eigenen Blog zu schreiben. Konkret ist nur die Angst vor einem Leben ohne Musik. Doch dann scheint schnell die Optimistin durch: „Ich fühle mich wieder ein bisschen so wie am Anfang. Es ist wie früher, es ist wie ein Neuanfang.“ Ein Neuanfang namens „Sweet Silence“.
 

Mkzwo Magazin über Sweet Silence

Barbara Morgenstern hat ein neues, rein elektronisches Album aufgenommen (...) und man fragt sich weshalb es dieses Album nicht schon viel früher gegeben hat von ihr. Eine gekonnter Ausflug in die Welt aus Elektronika und Clubmusik mit englischen Texten. Gut und schön! Als Gäste: T.raumschmiere, Marc Marcovic, Chor der Kulturen der Welt, Tonia Reeh (tbc). Die Wahlberlinerin Barbara Morgenstern veröffentlicht seit 1996 regelmässig ihre Alben auf dem Monika-Label von Gudrun Gut. Sie war Mit-Initiatorin der Berliner Wohnzimmerkonzerte mit Quarks, Contriva etc. Mitte der 90er in Berlin und absolvierte 2004 mit Maximilian Hecker und Band eine vom Goethe Institut organisierte Welttournee durch 34 Städte. Ihr Markenzeichen war am Anfang ihrer Karriere die Verbindung von unprätentiösen, deutschen Alltagsbeschreibungen, elektronischen Sounds und einer alten DDR-Vermona Heimorgel, die sie in den letzten Jahren gegen einen Flügel eingetauscht hat. Ihre Kooperationen lesen sich wie ein Who is Who der zeitgenössischen Musik: Stefan Schneider (Torococorot, Kreidler), Robert Lippok (Torococorot), Bill Wells, Annie Whitehead, Pole, Justus Köhncke, Robert Whyatt etc..! 

taz-Interview mit Barbara Morgenstern

 

"Ich trauere den alten Zeiten nicht nach"

Mit ihren Album "Sweet Silence" kehrt die Musikerin Barbara Morgenstern zurück auf den Dancefloor. Ein Gespräch über die innere Souldiva, Tanz nach dem Frühstück, das Musikmachen als Mutter und Berliner Luxus

INTERVIEW von THOMAS WINKLER

taz: Frau Morgenstern, hat Sie die Midlife-Crisis erwischt?
Barbara Morgenstern: Ach, Midlife-Crisis möchte ich das nicht nennen. Nennen wir es lieber eine Umbruchphase im mittleren Lebensabschnitt.

Ist das nicht nur ein anderes Wort für denselben Zustand?
Es kommt ja in erster Linie darauf an, wie man diesen Zustand erlebt. Ob man sagt: Bei mir bricht jetzt alles zusammen. Oder ob man die Veränderung annimmt und versucht, das Beste draus zu machen.

Ihr neues Album allerdings klingt ziemlich sentimental. Wie eine melancholische Erinnerung an vergangene, ekstatisch durchtanzte Nächte.
Das ist interessant. Denn ich empfinde dieses Album als sehr fröhlich. Ich wollte dieses Mal nicht so viel nachdenken. Meine Maxime war: einfach mal machen. Anfangs hatte ich noch überlegt, noch akustischer zu werden, in die konzertante Richtung zu gehen, die das Album davor hatte. Dann hatte ich auch mal die Idee, ein Album mit Songs in allen möglichen verschiedenen Sprachen zu schreiben, aber das war mir dann zu konzeptionell. Schließlich habe ich mich entschieden, es möglichst einfach zu halten und diesmal wieder tanzbare Musik zu machen.

Diese Rückkehr auf den Dancefloor klingt auch sehr konzeptionell, fast abgeklärt - ist das Techno für Erwachsene, für Eltern, die sich nicht mehr die Nächte um die Ohren hauen wollen?
Das war zwar ganz und gar nicht meine Absicht. Aber wenn es so sein sollte, dann wäre das doch schön. Ich bin schließlich selbst mittlerweile Mutter.

Techno für Eltern, gibt es da womöglich eine wachsende Zielgruppe?
Vielleicht. Tatsächlich entstehen ja neuerdings immer mehr Early-Bird-Angebote. After-Work-Partys gibt es ja schon länger, aber nun gibt es auch immer mehr Partys, die schon am Abend beginnen und nicht erst nach Mitternacht. Und in manche Clubs kann man am Wochenende schon tagsüber gehen. Ich hab Freunde, die gehen nach dem Frühstück tanzen und kommen dann abends pünktlich ins Bett.

Ihr Gesang ist sehr beseelt. Haben Sie den Soul entdeckt?
Den musste ich nicht erst entdecken, ich stehe schon sehr lange auf R&B.

Damit liegen Sie gar nicht im Trend.
Man kann sich doch nicht danach richten, was gerade angesagt ist, da würde man doch wahnsinnig werden. Ich habe mich auch nie als Liedermacherin gesehen. Meine Wurzeln liegen nun mal eindeutig im Club-Kontext - und in diese Richtung wollte ich auch wieder entschiedener gehen, darauf hatte ich Lust. Ich habe wegen meiner Tochter ein Jahr Pause gemacht und genieße seitdem das Musikmachen mehr als vorher.

Während des Babyjahrs haben Sie gar keine Musik gemacht?
So gut wie nicht. Das ging nicht. Man ist so mit dem Kind beschäftigt, dass man keine Kapazitäten hat, sich wirklich in die Musik zu vertiefen. Von halb zehn bis halb elf Uhr abends, wenn das Kind im Bett und der Tag vorbei ist, das reicht nicht.

Wie erleben Sie Berlin, verändert sich die Stadt, ist sie noch aufregend?
Aufregend, das weiß ich doch nicht. Mit dem Kind sieht mein Nachtleben ganz anders aus, das Ausgehen hat sich auf ein Minimum reduziert. Aber was immer noch großartig ist für mich, dass Berlin so viele Möglichkeiten bietet, mit verschiedenen Leuten und Projekten zu arbeiten. Und wer nicht sowieso hier lebt, der kommt regelmäßig vorbei. Mal mache ich am HAU Theatermusik für das Rimini Protokoll, dann leite ich schon seit fünf Jahren den Chor des Hauses der Kulturen der Welt. Da arbeiten wir mit immer neuen Musikern, aber auch Künstlern zusammen. Einmal haben wir für ein Projekt das Starten und Landen eines Flugzeugs gesungen, das war großartig.

Und was ist mit dem allseits apostrophierten Clubsterben?
Das kann ich nicht erkennen. Klar, manche Clubs schließen, aber andere machen dafür neu auf. Es gibt doch genug neue Clubs, etablierte wie das Berghain, aber auch das Kater Holzig kennt man inzwischen am anderen Ende der Welt. Die Szene wandert eben, aber das sorgt auch für neue Ideen. Wenn man wie ich öfter mal unterwegs ist, dann lernt man diese Stadt umso mehr zu schätzen. Im Vergleich zu New York ist das doch hier purer Luxus: Ich kann mir ein Studio leisten, ich habe eine große Wohnung, noch ein Häuschen in der Uckermark - und ich lebe von der Musik eigentlich auf kleiner Flamme.

Aber es wird immer schwieriger, oder?
Ja, klar. Ich lebe hauptsächlich vom Chor, von den Auftritten und dem gelegentlichen Theaterauftrag. Aber bei dieser Platte gehe ich tatsächlich jetzt selbst ins Risiko. Was früher eine Plattenfirma übernommen hätte, das bezahle ich jetzt von meinem Ersparten. Aber ich sehe das als Investition - eine Investition in mich selbst. Aber ich trauere den alten Zeiten nicht nach.

Die taz über Sweet Silence

 "Sweet Silence" hat Barbara Morgenstern ihr neues Album getauft, aber wirklich still ist das nicht geworden. Nachdem die 41-Jährige, die in der Wohnzimmer-Szene der Spätneunziger bekannt wurde, zuletzt immer akustischer wurde, hat sie nun den Dancefloor wiederentdeckt. Sanft, aber trotzdem satt rollen die Bässe, das Tempo ist mittelschnell und die Disco darf noch einmal schimmern. Vor allem aber singt Morgenstern, die mittlerweile Mutter einer dreijährigen Tochter ist, nun Englisch und expressiv wie niemals zuvor. Die in Hagen aufgewachsene Wahlberlinerin, seit 2007 Leiterin des Chors des Hauses der Kulturen der Welt, befindet sich auf dem besten Weg zur Souldiva.

zitty über Sweet Silence

ELECTRO-DIVA: Barbara Morgenstern

 

Falls es noch nicht aufgefallen ist: Der Liedermacher erlebt eine Renaissance. Junge Männer, ihre Gitarren und ihr Leid stürmen die Charts. Barbara Morgenstern aber, die elektronische Liedermacherin, kehrt stattdessen zurück auf den Dancefloor.
Als Liedermacherin habe sie sich doch nie gesehen, sagt Morgenstern an einem glorreichen Frühlingsvormittag in ihrem sonnendurchfluteten Studio. Wenn sie aus dem Fenster blickt, kann sie den Kanal sehen, der Kreuzberg und Treptow trennt. Vor dem Freischwimmer sitzen junge Menschen mit nackten Oberkörper in der Sonne, sie haben eine lange Nacht hinter sich. Mit ihrem neuen Album „Sweet Silence“, sagt Morgenstern, erinnere sie sich nach einigen eher konzertanten Platten doch einfach an ihre Wurzeln, und die lägen nun einmal in der Clubkultur. Die neuen Tracks sind auch ein Versuch, loszukommen „vom kopflastigen Teil“ ihres vergeistigten Images.
Allerdings: Mittlerweile ist Morgenstern 41 Jahre alt, Mutter einer dreijährigen Tochter und „das Ausgehen hat sich auf ein Minimum reduziert“. Entsprechend klingt das neue Album auch nicht wie eine Aufforderung zur Exstase, sondern wie ein freundlicher Wink, doch mal wieder ein bisschen Schwoofen zu gehen. Musik, die zum Hüftenwackeln taugt, sagt Morgernstern selbst, nicht so sehr zum Auf- und Abhüpfen.
Es ist also, wenn man so will, Tanzmusik für die erste Elterngeneration, die mit Techno aufgewachsen ist, aber weder Energie noch Zeit besitzt, stundenlang Schlange zu stehen und dann noch bis drei Uhr morgens zu warten, dass die Party endlich losgeht.
Zu diesen melancholisch schillernden Disco-Tracks singt Morgenstern dann noch, wie sie noch nie gesungen hat. Während sie früher deutsche Texte eher emotionslos vortrug, interpretiert sie nun englische Zeilen mit ungewohnter Inbrunst und Seele. Sie habe R’n’B schon immer geliebt, sagt sie. Aber wenn man behauptet, sie wäre auf dem besten Wege, eine Soul-Diva zu werden, dann lacht sie bloß. 
 

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