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taz-Interview mit Barbara Morgenstern

 

"Ich trauere den alten Zeiten nicht nach"

Mit ihren Album "Sweet Silence" kehrt die Musikerin Barbara Morgenstern zurück auf den Dancefloor. Ein Gespräch über die innere Souldiva, Tanz nach dem Frühstück, das Musikmachen als Mutter und Berliner Luxus

INTERVIEW von THOMAS WINKLER

taz: Frau Morgenstern, hat Sie die Midlife-Crisis erwischt?
Barbara Morgenstern: Ach, Midlife-Crisis möchte ich das nicht nennen. Nennen wir es lieber eine Umbruchphase im mittleren Lebensabschnitt.

Ist das nicht nur ein anderes Wort für denselben Zustand?
Es kommt ja in erster Linie darauf an, wie man diesen Zustand erlebt. Ob man sagt: Bei mir bricht jetzt alles zusammen. Oder ob man die Veränderung annimmt und versucht, das Beste draus zu machen.

Ihr neues Album allerdings klingt ziemlich sentimental. Wie eine melancholische Erinnerung an vergangene, ekstatisch durchtanzte Nächte.
Das ist interessant. Denn ich empfinde dieses Album als sehr fröhlich. Ich wollte dieses Mal nicht so viel nachdenken. Meine Maxime war: einfach mal machen. Anfangs hatte ich noch überlegt, noch akustischer zu werden, in die konzertante Richtung zu gehen, die das Album davor hatte. Dann hatte ich auch mal die Idee, ein Album mit Songs in allen möglichen verschiedenen Sprachen zu schreiben, aber das war mir dann zu konzeptionell. Schließlich habe ich mich entschieden, es möglichst einfach zu halten und diesmal wieder tanzbare Musik zu machen.

Diese Rückkehr auf den Dancefloor klingt auch sehr konzeptionell, fast abgeklärt - ist das Techno für Erwachsene, für Eltern, die sich nicht mehr die Nächte um die Ohren hauen wollen?
Das war zwar ganz und gar nicht meine Absicht. Aber wenn es so sein sollte, dann wäre das doch schön. Ich bin schließlich selbst mittlerweile Mutter.

Techno für Eltern, gibt es da womöglich eine wachsende Zielgruppe?
Vielleicht. Tatsächlich entstehen ja neuerdings immer mehr Early-Bird-Angebote. After-Work-Partys gibt es ja schon länger, aber nun gibt es auch immer mehr Partys, die schon am Abend beginnen und nicht erst nach Mitternacht. Und in manche Clubs kann man am Wochenende schon tagsüber gehen. Ich hab Freunde, die gehen nach dem Frühstück tanzen und kommen dann abends pünktlich ins Bett.

Ihr Gesang ist sehr beseelt. Haben Sie den Soul entdeckt?
Den musste ich nicht erst entdecken, ich stehe schon sehr lange auf R&B.

Damit liegen Sie gar nicht im Trend.
Man kann sich doch nicht danach richten, was gerade angesagt ist, da würde man doch wahnsinnig werden. Ich habe mich auch nie als Liedermacherin gesehen. Meine Wurzeln liegen nun mal eindeutig im Club-Kontext - und in diese Richtung wollte ich auch wieder entschiedener gehen, darauf hatte ich Lust. Ich habe wegen meiner Tochter ein Jahr Pause gemacht und genieße seitdem das Musikmachen mehr als vorher.

Während des Babyjahrs haben Sie gar keine Musik gemacht?
So gut wie nicht. Das ging nicht. Man ist so mit dem Kind beschäftigt, dass man keine Kapazitäten hat, sich wirklich in die Musik zu vertiefen. Von halb zehn bis halb elf Uhr abends, wenn das Kind im Bett und der Tag vorbei ist, das reicht nicht.

Wie erleben Sie Berlin, verändert sich die Stadt, ist sie noch aufregend?
Aufregend, das weiß ich doch nicht. Mit dem Kind sieht mein Nachtleben ganz anders aus, das Ausgehen hat sich auf ein Minimum reduziert. Aber was immer noch großartig ist für mich, dass Berlin so viele Möglichkeiten bietet, mit verschiedenen Leuten und Projekten zu arbeiten. Und wer nicht sowieso hier lebt, der kommt regelmäßig vorbei. Mal mache ich am HAU Theatermusik für das Rimini Protokoll, dann leite ich schon seit fünf Jahren den Chor des Hauses der Kulturen der Welt. Da arbeiten wir mit immer neuen Musikern, aber auch Künstlern zusammen. Einmal haben wir für ein Projekt das Starten und Landen eines Flugzeugs gesungen, das war großartig.

Und was ist mit dem allseits apostrophierten Clubsterben?
Das kann ich nicht erkennen. Klar, manche Clubs schließen, aber andere machen dafür neu auf. Es gibt doch genug neue Clubs, etablierte wie das Berghain, aber auch das Kater Holzig kennt man inzwischen am anderen Ende der Welt. Die Szene wandert eben, aber das sorgt auch für neue Ideen. Wenn man wie ich öfter mal unterwegs ist, dann lernt man diese Stadt umso mehr zu schätzen. Im Vergleich zu New York ist das doch hier purer Luxus: Ich kann mir ein Studio leisten, ich habe eine große Wohnung, noch ein Häuschen in der Uckermark - und ich lebe von der Musik eigentlich auf kleiner Flamme.

Aber es wird immer schwieriger, oder?
Ja, klar. Ich lebe hauptsächlich vom Chor, von den Auftritten und dem gelegentlichen Theaterauftrag. Aber bei dieser Platte gehe ich tatsächlich jetzt selbst ins Risiko. Was früher eine Plattenfirma übernommen hätte, das bezahle ich jetzt von meinem Ersparten. Aber ich sehe das als Investition - eine Investition in mich selbst. Aber ich trauere den alten Zeiten nicht nach.

Die taz über Sweet Silence

 "Sweet Silence" hat Barbara Morgenstern ihr neues Album getauft, aber wirklich still ist das nicht geworden. Nachdem die 41-Jährige, die in der Wohnzimmer-Szene der Spätneunziger bekannt wurde, zuletzt immer akustischer wurde, hat sie nun den Dancefloor wiederentdeckt. Sanft, aber trotzdem satt rollen die Bässe, das Tempo ist mittelschnell und die Disco darf noch einmal schimmern. Vor allem aber singt Morgenstern, die mittlerweile Mutter einer dreijährigen Tochter ist, nun Englisch und expressiv wie niemals zuvor. Die in Hagen aufgewachsene Wahlberlinerin, seit 2007 Leiterin des Chors des Hauses der Kulturen der Welt, befindet sich auf dem besten Weg zur Souldiva.

zitty über Sweet Silence

ELECTRO-DIVA: Barbara Morgenstern

 

Falls es noch nicht aufgefallen ist: Der Liedermacher erlebt eine Renaissance. Junge Männer, ihre Gitarren und ihr Leid stürmen die Charts. Barbara Morgenstern aber, die elektronische Liedermacherin, kehrt stattdessen zurück auf den Dancefloor.
Als Liedermacherin habe sie sich doch nie gesehen, sagt Morgenstern an einem glorreichen Frühlingsvormittag in ihrem sonnendurchfluteten Studio. Wenn sie aus dem Fenster blickt, kann sie den Kanal sehen, der Kreuzberg und Treptow trennt. Vor dem Freischwimmer sitzen junge Menschen mit nackten Oberkörper in der Sonne, sie haben eine lange Nacht hinter sich. Mit ihrem neuen Album „Sweet Silence“, sagt Morgenstern, erinnere sie sich nach einigen eher konzertanten Platten doch einfach an ihre Wurzeln, und die lägen nun einmal in der Clubkultur. Die neuen Tracks sind auch ein Versuch, loszukommen „vom kopflastigen Teil“ ihres vergeistigten Images.
Allerdings: Mittlerweile ist Morgenstern 41 Jahre alt, Mutter einer dreijährigen Tochter und „das Ausgehen hat sich auf ein Minimum reduziert“. Entsprechend klingt das neue Album auch nicht wie eine Aufforderung zur Exstase, sondern wie ein freundlicher Wink, doch mal wieder ein bisschen Schwoofen zu gehen. Musik, die zum Hüftenwackeln taugt, sagt Morgernstern selbst, nicht so sehr zum Auf- und Abhüpfen.
Es ist also, wenn man so will, Tanzmusik für die erste Elterngeneration, die mit Techno aufgewachsen ist, aber weder Energie noch Zeit besitzt, stundenlang Schlange zu stehen und dann noch bis drei Uhr morgens zu warten, dass die Party endlich losgeht.
Zu diesen melancholisch schillernden Disco-Tracks singt Morgenstern dann noch, wie sie noch nie gesungen hat. Während sie früher deutsche Texte eher emotionslos vortrug, interpretiert sie nun englische Zeilen mit ungewohnter Inbrunst und Seele. Sie habe R’n’B schon immer geliebt, sagt sie. Aber wenn man behauptet, sie wäre auf dem besten Wege, eine Soul-Diva zu werden, dann lacht sie bloß. 
 

Raveline Magazin über Sweet Silence

Barbara Morgenstern ist bei ihrem neuen Album den langen, bekannten Melodiebögen treu geblieben. Ebenso die klaren und schlüssigen Arrangements sind seit ihrer letzten Platte nicht abhanden gekommen. Neu ist allerdings ein oldskooliger Keyboard-Sound, der sich als roter Faden durch das gesamte Album zieht. Die sonst üppige Instrumentierung ist einer neuen Sparsamkeit gewichen. Club-Bässe und Drumcomputer dominieren das Klangbild. Die persönlichen Texte sind oftmals verklausuliert aber auch mal konkret. In englischer Sprache singt Barbara Morgenstern von Verlust, Bedürfnis nach Ruhe und der Oberflächlichkeit unserer Zeit.
Im Vergleich zu den übrigen Alben ist “Sweet Silence” ausgesprochen homogen im Klang. Es bewegt sich im Spannungsfeld zwischen digitaler Sparsamkeit und melodiösen, romantischen Songs. Und es ist dieser Gegensatz, der den besonderen Reiz des neuen Albums von Barbara Morgenstern ausmacht.

Etherreal über Fan No. 3 (Remixes)

Mis à part le sobrement intitulé BM sorti en 2008, nous avons régulièrement parlé sur ces pages de Barbara Morgenstern, artiste allemande auteur d’une électro-pop expérimentale, au charme singulier, combinaison de vieux claviers et de textes en allemand. Si elle semble faire suite à Fan No. 1 (un EP de remixes sorti en 1999), cette nouvelle production est en fait une compilation qui nous permet de revenir sur 14 ans de carrière. Par contre l’artiste à bel et bien pensé aux fans qui trouveront des raretés sur un deuxième CD.

On appréciera la simplicité de la construction de la compilation, optant pour un classement chronologique qui nous permet de suivre l’évolution de l’artiste et ses explorations au fil des rencontres. Autre point à noter, la volonté de ne pas céder à la facilité du best of, en proposant notamment des versions nouvelles voire surprenantes.
On commence donc en 1998 avec Vermona ET 6-1, premier album qui tirait son titre du modèle d’orgue utilisé par l’Allemande. Une production minimale, épurée, une boite à rythme qui paraîtra kitsch aujourd’hui, un chant doux, tels sont les éléments qui composent Ein Versuch, assez typique des premiers travaux de Barbara Morgenstern. Plus sautillant, Das Wort est ici présenté dans une version rare, sortie sur un obscure label.
Dès 2000, la jeune femme a su s’entourer, avec notamment Stefan Betke (Pole) et Thomas Fehlmann, producteur du tube Der Augenblick présenté ici dans une version longue, absolument parfaite, aux sonorités plus recherchées. L’instrumentation est également plus riche avec guitariste et violoniste sur l’instrumental Eine Verabredung.
En 2003 sort Nichts Muss, certainement le plus gros succès de l’Allemande à ce jour. Deux titres ont été retenus et encore une fois deux approches différentes avec d’une part le chaloupé et nonchalant Aus Heiterem Himmel, et d’autre part la guitare rythmique et syncopée du tube Nichts Muss qui se prolonge sur 8mn.
On zappe Tesri composé en duo avec Robert Lippok (chroniqué sur ces pages) et on arrive en 2006 avec The Grass Is Always Greener. Petite surprise avec The Operator qui est présenté ici dans une version au piano, légèrement rétro, et on note une production plus aérée avec une vraie batterie sur Juist.
BM est donc le dernier album en date et confirme une instrumentation plus riche avec guitare, batterie et violoncelle (assuré par Julia Kent). On y découvre une étonnante collaboration avec Robert Wyatt sur Camouflage et un dernier tube, hymne à Berlin sobrement intitulé Come to Berlin.
On trouve enfin trois titres inédits, datant de 2010. Difficile de dire si cela annonce une nouvelle orientation, mais on devine un retour au tout électronique avec pour commencer une nouvelle version du Mountainplace déjà publié sur une compilation Chicks On Speed Records. Le son est propre, soigné, et Wegbereiter est une belle réussite alliant minimalisme et danse. Le bouquet final, c’est le Blackbird des Beatles dans une version purement électronique, sautillante, à mille lieues de l’original, parfaitement maîtrisé, terriblement efficace, voire dansante.

Le second CD nous ramène en 1997 avec 10 titres tirés d’une cassette (Enter the Partyzone) et d’un mini-album (Plastikreport). Ce bonus nous permet donc de retrouver l’essence même du travail de Barbara Morgenstern avec une production allégée et une approche plus brute. On trouve en général des boites à rythmes un peu kitschs et des mélodies d’orgues minimalistes et virevoltantes (Die Liebe), proche de la musique de jeu vidéo sur un Ein Fixpunkt mené à toute berzingue. Parfois une batterie vient en renfort (Am Rand), brute et martelée sur un orgue débridé (Im Wiederhall), mais on préfèrera le chant joliment posé et la douceur d’un Der Morgentau ou encore la western pop de Über uns liegt ein Traum que l’on a l’impression de déjà connaître, chose pourtant improbable.

C’est là toute la force de Barbara Morgenstern, de louvoyer entre le tube pop parfait et des expérimentations en grande partie basée sur une instrumentation inhabituelle. Une compilation, des raretés, ce Fan No.2 fera à la fois le bonheur des fans et des curieux qui ne connaitraient pas encore le travail de cette artiste.

Dusted Review: Fan No. 2

It took a while, but with 2008's BM, German electronica artist Barbara Morgenstern came into her own, leaving behind the awkwardness of her earlier albums and emerging as a class songwriter, someone who could hold her own alongside a figurehead like Robert Wyatt (who appeared on BM's 'Camouflage'). Fan No. 2 retraces Morgenstern's career to that point, as well as presenting several new songs. It proves an odd theory I've pondered for some time: that artists working within the 1990s electronica paradigm often take much longer to find their true voice.

In this way, their careers are often pleasingly ass-backwards ' instead of bursting onto the scene and then experiencing diminishing returns, artists like Morgenstern work by accretion, slowly building a body of knowledge and a grasp of their chosen art form. Early songs on Fan No. 2, like 'Das Wort' or 'Nichts Muss,' play out like melodies in search of focus. 2003's Nichts Muss (the album) had Morgenstern on the verge of nailing it, though it took her another five years to write her anthem, 'Come To Berlin.'

Here, the emotional weight is just right ' sarcastic without being a downer, polemical but not dryly worthy, and sharply critical, but with a melancholy that justifies the tone. 'Come To Berlin''s lyrics address city planning in Berlin, moving through the psychological scars of "growth" in the city by way of architectural erasure, dropping into English only when allegorizing the flood of artists, ne'er-do-wells and chancers making the city the subcultural free-for-all it currently is ' "Isn't Berlin the place to be / Come to Berlin, this place is in." Throughout, Morgenstern is largely impassive, acutely aware of the shifting tides of Berlin's cultural capital.

After 'Come To Berlin,' Morgenstern teases us with three new songs, including a cover of Lennon and McCartney's 'Blackbird.' They're all good, but there's real poetry in the way she leaves Berlin behind and moves into the natural-world romance of the previously unreleased 'Mountainplace.' Here, her veneration of peregrination ("I just want to take a ride on a bike / I just want to take you to a mountain place") is a welcome flipside to 'Come To Berlin''s cold, hard watch of gentrification's topographical and psychical damage.

The accompanying disc, Enter The Partyzone/Plastikreport, a reissue of Morgenstern's first two limited releases, is another reminder that she has taken a while to blossom. The brash, bolshy performances have a certain naive charm, but the songs aren't up to par. A compendium of Morgenstern's parallel career as a collaborator would have been more effective, tracing her work with Robert Lippok, Bill Wells, Annie Whitehead, Stefan Schneider and The September Collective, explorations that have nourished her songwriting. It's an alternate history yet to be written, where Morgenstern uses the collective compass to regenerate her own art. Because in those collaborations, the grace of 'Come To Berlin' and BM was surely nurtured.

Mainstage über Fan No. 2

Barbara Morgenstern. Eine junge Frau, die ihre eigene Geschichte schreibt und dabei schon so einige mit sich gezogen hat. Wer ihre Musik hört, der wird verzaubert. Eine weitere Chance, in den Kosmos einzutauchen, bietet das neue Album “Fan No. 2″. Auf der einen Seite eine Art Best-Of Album der Berliner Künstlerin und auf der anderen Seite eine Möglichkeit, unveröffentlichtem, rarem und altem Material zu lauschen.

Wer sich fragt, warum dieser Rundumschlag als Teil zwei beschrieben wird, hier eine kurze Erklärung: Bereits 1999 erschien “Fan No. 1″, seinerzeit eine Remix EP, wo namhafte Künstler wie Console ihre Finger an die ersten Stücke von Barbara legten. Seitdem sind einige Jahre vergangen und dutzende neue Songs entstanden, sodass Barbara nun die Zeit gekommen sah, ein Fazit aus ihren bisherigen Releases zu ziehen. Immerhin hat sie seit 1997 sechs Alben veröffentlicht. Ein guter Grund für einen Rückblick.

Auf die Zusammenstellung geschafft haben es Tracks aus allen Schaffensperioden. “Ein Versuch” aus 1998 erinnert an die Wiener Musikerin Gustav. Die Synthesizer düdeln und schwerwiegende textliche Messages schimmern hindurch. “Aus heiterem Himmel” (2003) ist viel runder und melodischer. Doch dass Barbara heutzutage nicht nur glasklaren Pop auf die Beine stellt, macht “Mountainplace” aus 2010 deutlich, der wieder hauptsächlich auf Synthesizern basiert und nur mit den verbesserten Gesangaufnahmen deutlich macht, dass es sich um einen aktuelleren Song handelt. Weitere Songs sind “Juist”, “Nichts Muss” oder “Blackbird” (Cover der Beatles) – und diese machen allesamt die Vielschichtigkeit der Berlinerin deutlich. Von minimalem Synthiepop bis hin zu großen Melodien ist bei Barbara Morgenstern alles möglich! Die Bonus-CD beinhaltet desweiteren Tracks aus den Anfangsjahren und von den Alben “Enter The Partyzone” und “Plastikreport”, die man quasi als unreleased bezeichnen könnte. Zwar erschienen beide Tapes bereits im kleinen Rahmen bei Independent-Labels, erreichen aber erst mit dieser Veröffentlichung die breite Hörerschaft.
Alles in allem eine interessante und angenehm durchmischte Zusammenstellung aus dem Schaffen von Barbara Morgenstern. Die älteren Tracks sind sicherlich Geschmackssache, aber wer experimentellem elektronischen Pop nicht abgeneigt ist, dem wird “Fan No. 2″ in seiner Gesamtheit auf jeden Fall zusagen. Für jeden, der einen Eindruck von der Künstlerin gewinnen möchte, ohnehin optimal. Lang lebe der Morgenstern!

ox-fanzine über Fan No. 2

Barbara und ich, eine alte Liebesbeziehung, denn seit 1997 bespreche ich jetzt schon die Platten dieser wundervollen Romantikerin der deutschen Elektronik-Szene, die mir immer das ausgewogenste Mensch-Maschine-Verhältnis geboten hat, wobei sie ja in gewisser Weise eigentlich nur ganz oldschoolige Popmusik gemacht hat. Auch eine Frau Morgenstern bleibt nicht von der üblichen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit verschont und so gibt es auf „Fan No. 2“ 13 Stücke aus den Jahren 1998 bis 2010, zum Teil in alternativen Versionen.
Bei den ersten Songs kann man sich dann auch noch mal am frühen, leicht trashigen Sound ihrer Vermona-Orgel erfreuen, bis auch Morgenstern mehr auf konventioneller Elektronik setzte beziehungsweise auf ihrem letzten Album „Bm“ von 2008 die Klänge eines Bechstein-Flügels in den Mittelpunkt rückte und sich in die Gefilde von Neo-Klassik begab.

 

Eine gelungene Zusammenstellung, natürlich vor allem für zu spät Gekommene interessant, wobei es auf der zweiten Disc mit „Plastikreport“ und „Enter The Partyzone“ (nur als Kassette erschienen) zwei rare Veröffentlichungen von 1998 und 1997 gibt, die wohl nur die wenigsten besitzen dürften.

Neben zwei neuen Stücken auf Disc 1, eines davon die Coverversion von „Blackbird“ vom „White Album“ der BEATLES, die man nicht so ohne weiteres wiederkennt. Insofern bietet „Fan No. 2“ im Gegensatz zu vielen „Best Of“-Platten, über den reinen Spaß am Wiederhören von Morgensterns charakteristischem Elektropop hinaus, selbst alten Fans noch echten Mehrwert.

Playground Fan No. 2

It is easy to have a soft spot for Barbara Morgenstern. We’re talking about an artist who’s never been really successful: beyond the occasional moderate hit (the catchy “Come to Berlin”, for example), she has maintained a stable profile, but in the minor leagues. She has never released a really memorable or really bad album: her albums also maintain a stable profile, always close to notable, but without breaking any moulds; they are always pleasant to listen to, but without much possibility of sticking in the collective memory. We’re talking, then, about someone who perfectly represents that middle class that has dominated German electronic pop for the last decade: a conventional, simple girl, who writes simple, luminous songs, with just the right amount of melancholy, just the right amount of complications, and the perfect balance between acoustic and electronic instrumentation (a sign of the times, that instrumentation is increasingly acoustic and less electronic). But nevertheless, it’s easy to have a soft spot for her because that lack of ambition makes her someone close and familiar, because her songs are fabulous for taking the car out and going for a ride (always during the daytime, she’s a straightforward kind of girl) and because deep down, we are psyched that there are sensitive, unpretentious people around here.

Once all of this has been said, it’s hard to understand why her label, Monika Enterprises, has decided to put out a sort of “greatest hits” (camouflaged for the occasion as “a brief summary of the extensive discography of Barbara Morgenstern”), a tool that is usually used to revitalise the career of an artist in decline, to promote a tour when it’s been a long time since the artist has released new material, or to make money by bringing together the most well-known hits of a band that has sold a lot; none of these three situations is that of our gal. So the best thing is to take “Fan Nº. 2” – given this name as a nod to “Fan Nº. 1”, the first maxi of remixes that she put out for Monika, around about 1999—as an opportunity to enter into the world of the singer from Berlin, or as an object for people who like to have it all, whether because of the new releases and alternative takes that it includes, or because the definitive edition comes with a compact that includes her first two releases: the cassette tape “Enter the Partyzone” (1997) and the mini-CD “Plastikreport” (1997).

Getting down to the brass tacks, “Fan Nº. 2” runs through Morgenstern’s discography haphazardly, but chronologically, which allows us (and this does have its interest) to see how her sound has changed over the years. The first songs are the simplest and the barest of the lot: synth pop with frolicking rhythms and crystal-clear melodies, played entirely on a Vermona ET 6-1 synthesiser, and the main interest of which is to be found in the new, more luminous and well-rounded mix that Thomas Fehlmann has done of“Der Augenblick”, one of the best songs on “Fjorden” (2000), Morgenstern’s second album. Things start to get more interesting with the two following songs, “Aus Heiterem Himmel” and “Nicht Muss” . Taken from “Nicht Muss” (2003) and produced byPole, they reflect a turning point in the German’s career, when she began to add more complex instrumentation, although never with a level of elaboration as careful as in this case (in fact, we have to admit that “Nicht Muss” has aged very well). “The Operator (Piano Version)” and “Juist” can be read as a continuation of this search for new sounds: Morgenstern decided to replace her synthesiser with a piano and the songs gained greater depth and melancholy, a change that was also noticeable in her latest album to date,“BM” (2008), from which come “Come to Berlin” and the wonderful “Camouflage”, sung with Robert Wyatt.

The unreleased pieces come at the end: a jumpy “Mountainplace”, with something similar to glitches, the kind of kitsch pop piece that she likes to do so much, “Wegbereiter,” and a fun version of The Beatles’ “Blackbird”. There’s nothing that really provides too much added value to the contents of the compilation, especially because in the “should-have” section, there are a few complaints. It’s understandable that none of the songs that she recorded with Bill Wells and Stefan Schneider appear, because apart from possible licence problems, it’s a project that is far removed from the usual paths that the Berlin artist walks—but it is surprising that they haven’t included any of the songs from “Tesri” (05), the album that she recorded with Robert Lippok and which, in my humble opinion, is the best thing that Morgenstern has put out in her entire career. What can we do? She obviously likes Betke’s military buzz haircut better than the bangs of the keyboard player from To Rococo Rot. Poor thing, nobody’s perfect.

Le Magic Box über Fan No. 2

Que demande-t-on a une bonne compilation ? De retracer la carrière d'un artiste, de proposer des morceaux rares ou dans des versions alternatives, d'offrir des inédits pour montrer que l'artiste en question a certes un passé mais aussi un avenir. Sur la foi de ces figures imposées, le contrat est d'ores et déjà rempli avec Fan n°2 de Barbara Morgenstern. Voici 10 ans, l'Allemande avait sorti un premier volet fait de remix. Tous les albums solos de Morgenstern sont représentés, à commencer par Ein Versuch issu de l'album du même nom et qui marque d'emblée le style Morgenstern : une musique hybride fait à partir de collage d'électronique avec de vrais instruments. Chaque titre pourrait être joué au piano - et c'est le cas de The Operator présenté ici dans une « piano version », mais ainsi arrangé, il mêle une précision presque pointilliste d'électronicien avec une certaine fantaisie féminine distillée avec élégance. Il y a une certaine émotion qui émane de cette musique comme en témoigne Juist issu de The Grass is always greener, peut-être le meilleur des albums de la jeune femme. Morgenstern manie l'art délicat de la programmation rythmant chaque morceau, sans en faire de vulgaires et faciles machines à danser.

Dans sa version Mix Expension, Der Augenblick remplit néanmoins cet office. Avec Barbara, l'électronica a le plus souvent une voix ; ce qui donne un côté pop à la musique. Parmi les trois inédits, elle reprend d'ailleurs Blackbird des Beatles ; le synthé remplace la guitare acoustique initiale mais l'esprit ballade reste le même. Au cours de sa carrière, Morgenstern a fait de belles rencontres comme Stefan Bekte de Pole qui a produit Nicht muss (représenté ici par deux titres). Mais surtout l'Allemande a eu la chance de faire un titre avec Robert Wyatt, un rêve qui s'est réalisé avec Camouflage. Le plus réjouissant de ce bon disque qui donnera envie aux néophytes de découvrir le reste de la discographie de Morgenstern, se situe au niveau des inédits. Outre la reprise des Beatles, deux autres titres qui pourraient apparaître comme des modèles de la belle mécanique musicale parfaitement agencée de l'Allemande : Mountainplace et surtout Wegbereiter, un des meilleurs titres à ce jour de la dame. Avec Barbara Morgenstern, l'avenir semble radieux.
 

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