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Doppelstern

Ganz ehrlich: Mit Schlager habe ich gerechnet; mit so richtig fiesem, harmonie-verkleisterten Allerweltsschlager, als ich von Barbara Morgenstern im Allgemeinen und einem ominösen „Doppelstern“ im Speziellen als das nächste Album auf meiner bescheidenen To-Do-Liste las. Doch es sollte ganz anders kommen – zum Glück. Denn von einer Fischer’schen Kadenzschlacht ist das Ganze so weit entfernt, wie Doherty von einer reinweg cleanen Woche.

Schande auf mein bescheidenes Kritikerinnenhaupt: Barbara Morgenstern, die gibt es nicht erst seit gestern. Gute 20 Jahre wildert sie durch die entlegenen deutschen Musiklandschaften des etwas experimenteller angehauchten Tons. Mit ein paar Ideen im Kopf, welche nicht in das massenkonforme Radio, wohl aber in die Herzen abenteuerlustiger Musikliebender passen, brachte sie es bereits auf einen beachtlichen Albenoutput.

Im Zuge des „Doppelstern“-Releases wiederum bringt sie das, was sich alles aus einer Menge wilder Gedanken schmieden lässt, auf einen beachtlich wunden Punkt. Mit unserer – Hand auf’s Herz – nicht sehr sexy anmutenden Sprache, ein paar eingesammelten Kontakten und ganz viel Konzeptlosigkeit kommt das Werk daher; mal rasant, mal schwelgend, doch immer voller Gedankenschmalz auf zumeist watteweichen elektronischen Klangbetten.

Barbara Morgenstern entpuppt sich als Sammlerin. Sie sammelt einzigartige Augenblicke, zarte Empfindungen und sensible Menschlein, welche jene kaum zu erhaschenden Momente teilen. Eben diese musikalischen SeelenpartnerInnen bringt sie nun zusammen: Für ein jedes Stück Lied hält ein anderes Gesicht auf der Tracklist Einzug, dessen bekanntestes wohl Pianozärtling Hauschka darstellen dürfte.

Denn eben dieser Sparring-Partner lieh seine zweifellos zauberschönen Arrangementfähigkeiten für „Meins Sollte Meins Sein“, welches im ersten Moment als eine Kinderserienstartsequenz herhalten und Dich freiweg dazu animieren könnte, die geliebten Pokémons einzusammeln. Die Melodieführung verleitet zu einem Weiterspinnen, hin zu den Zeilen: „Niiiichts ist unmöglich, so sieh‘ das doch ein“. Stattdessen wird über das verwirrende Selbstsein philosophiert: welche hinterwäldlerischen dunklen Ecken des eigenen Ichs besser von Fremden unberührt bleiben, welche man sich bewahrt.

Der Bass wummert verhalten, eine lasziv-dunkle Stimme schält sich aus zirpenden Klängen: Du bist einfach viel zu sehr „zu“, will sie Dir eindringlich vermitteln – zu sehr dieses, zu sehr jenes und erst recht: viel zu sehr von eben dem. Gudrun Gut ist auf „Too Much“ die Sprechgesang-Partnerin in Crime und erinnert dabei entfernt an Tic Tac Toe.

Weitaus basslastiger und synthesizergetriebener pellen sich die anderen Songs aus dem Albumgewand. Doch auch abseits der von der Künstlerin gefeierten Konzeptlosigkeit, der scheinbar spontanen Flexibilität und Jam-Bereitschaft ihrer unterschiedlichen MitstreiterInnen lässt sich ein hauchdünner roter Faden erkennen: Das alles ist anders. Etwas ganz anderes als Schlager sowieso.

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